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Unter dunklen Klangwolken lässt sich tanzen

VON PETER LIMBACH, 23.03.06

Ein Kölner Alternative-Quartett feierte im Kulturbunker die Veröffentlichung des ersten Albums - und konnte sich viele neue Freunde machen.


Bild: Grönert, © KStA

Die Melancholie kann eine bewegende Angelegenheit sein. Wird sie zur Kunstform erhoben, lässt sich sogar zu ihr tanzen. So geschehen im Kulturbunker Mülheim, bei der jüngsten Klangprobe live des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit der Band Backyard Poetry. Auf der Basis von Wave und Alternative rockt das Quartett getreu der Lehre: Wo Licht ist, muss auch Schatten sein. Vier fröhliche Melancholiker haben sich gefunden, und lassen ihre Lebens-Philosophie zu Musik werden. Entsprechend ungewöhnlich ist die Besetzung. Was immer auch Sänger und Gitarrist Wolfgang A. Noethen, Bassistin Julia Büttgen und Schlagzeuger Dimitrios Karagiannis spielen - über allem schwebt das Cello von Martina Trost wie eine dunkle, bizarre und wunderschöne Wolke.

Mit verschrobenem Pop und leicht punkigem Rock leben die vier ihren Hang zur Schwermut aus. Die Drums und der Bass prasseln erfrischend von der Bühne herab, so wie starker Regen gegen eine Fensterscheibe. Wolfgang A. Noethen legt auf der Gitarre, quirlige, meist in Moll gehaltene Rhythmen darüber. Und dazwischen droht Martina Trosts so traurig klingendes Instrument wie ein aufziehendes Gewitter. Unermüdlich klagt das Cello mit herben Melodien voller Fantasie. Auch dann, wenn plötzlich so etwas wie Lebensfreude aufkommt, im Song Rainy Sunday zum Beispiel. Der Beat ist hier so fatalistisch ausgelassen, wie ein Mensch nur sein kann, der sich an einem verregneten Sonntag ins Schicksal fügt. In solchen Momenten klingen Backyard Poetry sogar herb-funky.

Zum Hinhören verführt Noethens Stimme mit ihrer Mischung aus Wut und Resignation. „I feel alive, but I feel alone“, singt er in „Never Enough“. Das ist aber keineswegs ein Ausruf der Verzweiflung. Der 35 Jahre alte Songschreiber, im Hauptberuf Pressesprecher beim Bund der katholischen Jugend, fühlt sich wohl auf der Schattenseite. „In der Melancholie fühle ich mich wohl, denn sie bedeutet eigentlich nichts anderes, als den Dingen auf den Grund zu gehen, sie von allen Seiten zu erfassen, also auch alles Negative.“ Das kann zwar belastend sein, macht das Leben aber auch reichhaltiger, intensiver und schöner, findet der Musiker. Schade nur, dass Musik und Gesang breiig ins Publikum flossen. Die neue Crew der Band kam mit dem Mischpult noch nicht richtig klar.

Dennoch konnten sich die vier reichlich neue Freunde machen - weit über die Grenzen Kölns hinaus. Auch eine Schulklasse aus dem französischen Thiais, südlich von Paris, vergnügte sich bei der Klangprobe live im Publikum. Und die Teenager tanzten die Melancholie ebenso begeistert, wie die Musikfreunde aus Köln und Umgebung. „Ich hätte nicht gedacht, dass Rockmusik mit Cello so spannend klingen kann“, befand die 16 Jahre alte Juliette.

Und am Ende fand auch die erste CD von Backyard Poetry, deren Veröffentlichung bei der Klangprobe gefeiert wurde, erste Abnehmer. „Black On the Outside“ heißt sie, und ist über die Internetseite der Band zu haben - Melancholie für den Hausgebrauch.


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