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Artikel im Kölner Stadtanzeiger vom 18.03. 2006, "Klangprobe live"

Kraft der Melancholie

VON PETER LIMBACH, 18.03.06

Wie reizvoll Schwermut und Wut klingen können, beweist ein ungewöhnliches Quartett am Dienstag, 21. März, in der Klangprobe live. Im Vorprogramm spielt die Band 5vor12.


Hinterhöfe besitzen einen ganz eigenen Zauber. Mitten in der Stadt sind sie kleine Welten für sich - in Ausnahmen grüne Oasen, meist aber eng und schäbig. So ein Hof kann der tristeste Platz auf dem Planeten sein, aber auch die richtige Umgebung, den Gedanken nachzuhängen, die Fantasie auf Reisen zu schicken. Die Band Backyard Poetry ist dem Reiz solcher Orte verfallen. Hart, morbide, düster klingen Musik und Text der Kölner Hinterhof-Poeten. Wer die Melancholie schätzt, ist am Dienstag, 21. März, 20 Uhr, im Kulturbunker Mülheim, Berliner Straße 20, genau richtig. Dann demonstrieren Backyard Poetry bei der Klangprobe live des „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Eintritt: fünf Euro), welche Energie aus Traurigkeit, Frust und Aggression entstehen kann.

Der imaginäre Hinterhof, in dem sich das Kölner Quartett wohl fühlt, liegt ganz eindeutig in einer dieser britischen Industrie-Städte, in Manchester vielleicht. Indie-Gitarrenrock, Punk und Wave - alles musikalische Errungenschaften, die auf der Insel geprägt wurden - pflegen die vier. Doch wollen sie mehr, als nur musizierenden Pessimisten wie den Cure oder The Verve nacheifern. Dafür sorgt allein schon die ungewöhnliche Besetzung von Backyard Poetry. Denn neben Sänger, Gitarrist und Songschreiber Wolfgang A. Noethen, Drummer Dimitrios Karagiannis, Bassistin und Background-Sängerin Julia Büttgen ist mit Martina Trost eine Cellistin die Vierte im Bunde. Ein gutes Instrument, um ungehemmt der Schwermut zu frönen.

Doch auch im Schattenreich herrscht niemals Langweile. Melodiös und abwechslungsreich spielen Backyard Poetry. „Siblings“ zum Beispiel ist eine von Cello und Glockenspiel getragene Ballade, „Book Of Songs“ dagegen pure Punk-und-Rock-Energie - und zwischen diesen beiden Polen wird die Band im Kulturbunker musizieren. Hörenswert sind auch Noethens Texte. Inspirieren lässt er sich zuweilen von deutschen Dichtern wie Georg Trakl (1887 bis 1914). „Ich mag Trakls Idee, dass auch die Melancholie ein Lebensentwurf sein kann“, sagt der Songschreiber. Zu hören ist dieser Einfluss im Lied „Gravesend“ (ein Ort nahe bei London, früher ein Großfriedhof der Metropole). Aber auch Noethens wütende Alltagspoesie lohnt die Aufmerksamkeit: „Now you tell me I should stop to swim in my misfortune“, heißt es in „Rainy Sunday“. Da geht einer seinen Weg, der den anderen nicht gefällt - und wird zum Verlierer abgestempelt.

Das Klangprobe-Konzert ist zugleich die Veröffentlichungs-Party für das erste Album von Backyard Poetry - „Black On The Outside“ -, das am 24. März beim Label Art of Choice erscheint. Das ist natürlich ein Grund zum Feiern. Und deshalb spielt - im Vorprogramm - noch eine weitere Formation: 5vor12 aus Köln rocken schnörkellos und eingängig zu deutschen Texten.

In der Klangprobe live stellen der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der Kulturbunker Mülheim vielversprechende Bands und Solokünstler aus Köln vor. Der Eintritt kostet fünf Euro. Vier Euro von jeder verkauften Karte bekommen die Musiker. Ein Euro geht an die Aktion „wir helfen“ des „Stadt-Anzeiger“, die sich um Kinder und Jugendliche in Not kümmert.

Backyard Poetry, das sind (v. l.) Martina Trost, Wolfgang A. Noethen, Dimitrios Karagiannis und Julia Büttgen.


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